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«Wir langweilen uns gegenseitig»: Der Tod des «hippen» Facebook

so der titel eines heute abend erschienen artikels bei tagesanzeiger online.

Viele User finden es nicht mehr «cool», bei Facebook zu sein. Sie sind angeödet und löschen ihr Profil. Hat die Community-Plattform ihren Zenit überschritten?

«Hans Muster ist kein Fan mehr von Facebook». Diesen Status könnten demnächst mehrere User der beliebtesten Community-Plattform melden. Denn die Zeichen mehren sich, dass Facebook seinen Zenit überschritten haben könnte: Frühere Facebook-Fanatiker loggen sich nur noch einmal im Monat ein, einst aktive Statusschreiber haben noch immer den Status vom 1. August und die Radikalen haben in einer Nachricht an alle ihren Austritt bekannt gegeben.

Sie löschen Freunde, werden zu «Passivmitgliedern» oder steigen ganz aus. Sie haben keine Lust mehr auf die neuesten Party-Fotos ihrer WK-Kameraden. Sie wollen auch nicht wissen, was für ein Drink die ehemalige Schulfreundin wäre oder was der Ex-Freund heute gefrühstückt hat. Der Facebook-Overkill hat eingesetzt.

Von euphorisch zu entnervt

Gründe dafür gibt es viele: Die einen fühlen sich genervt, die anderen gelangweilt, während nochmals andere einfach ihre Zeit nicht mehr mit Facebook vergeuden wollen. Sie haben Angst vor Stalkern und davor, zu viel von sich preiszugeben. Oder sind schlicht überfordert, sich für den Output – Fotos, Links, Gemütszustand – all ihrer «Freunde» zu interessieren.

Die Stimmung ist gekippt: von euphorisch zu entnervt, so scheint es. Virginia Heffernan schreibt in der «New York Times» gar von einem Exodus. Und das «Wall Street Journal» druckte den Essay «Wie Facebook die Freundschaft zerstört». «Wie viele andere erlebe ich eine Facebook-Ermüdung», schreibt Elizabeth Bernstein darin und bilanziert: «Wir langweilen uns gegenseitig.»

Von Freunden zugespamt

Der eigentliche Vorzug von Facebook ist gleichzeitig auch seine grösste Bremse: Je mehr Freunde man hat, desto anstrengender ist das digitale «Meine-Freunde»-Buch. Zu Beginn macht es Spass, sich als Jäger und Sammler zu betätigen und wie wild nach Freunden zu suchen. Doch hat die Zahl der Freunde ein kritisches Mass überschritten, läuft die Startseite über und man wird mit belanglosen Informationen zugespamt.

Selbst Microsoft-Gründer Bill Gates, ein Mann, der für Computer lebt, löste deshalb unlängst seinen Facebook-Account auf. Er hatte einfach zu viele Freunde.

Facebook leidet am Phänomen «Klassenzusammenkunft»: Auf die obligaten «wie geht's?» und «was machst du jetzt eigentlich?» folgt meist gähnende Leere. Auch an den oftmals narzisstischen und exhibitionistischen Profilen hat man sich schnell einmal satt gesehen. Oft hinterlässt das Leben der anderen ohnehin nur Neid: Der hat aber viele Freunde! Die sieht aber gut aus! Der hatte es wieder schön in den Ferien! Der Reiz des Neuen ist verflogen. Ebenso der Reiz der Neugierde. «Ich merkte, dass die Magie weg war», bringt es Bloggerin Libby auf den Punkt.

Sogar die Eltern sind bei Facebook

Gewissermassen ist Facebook das Opfer seines eigenen Erfolgs: Es ist so populär, dass es schon wieder «out» ist. Spätestens wenn die eigenen Eltern dabei sind, nehmen die Jungen Reissaus. Wie eine Umfrage unter jungen Engländern zeigt, büsste die Plattform für die Jugendlichen an Attraktivität ein, sobald deren Eltern sich angemeldet hatten. So ging der Anteil der 15- bis 24-Jährigen mit Facebook-Profil im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 50 Prozent zurück. Zugleich nahm der der 25- bis 34-Jährigen um sechs Prozent zu (Vorjahr 40 Prozent).

Während nun gewisse Firmen Facebook für ihre Angestellten sperren, scheinen nun immer mehr User von alleine darauf zu kommen, dass sie Facebook nicht brauchen.

Bei einigen ist es gar eher Angst, die sie zum Rückzug zwingt: «Es ist nicht dein Facebook-Profil. Es ist Facebooks Profil von dir», findet Leif Harmsen, der in den USA einen regelrechten Kreuzzug gegen Facebook fährt. Er sieht im Portal ein Instrument des Kommerzes, das den User beobachtet und mit Werbung und überflüssigen Applikationen zumüllt. Immer wiederkehrende Layout-Änderungen und zu akzeptierende Rechtsbestimmungen strapazieren die Nerven der User. Genauso wie die Flut an Einladungen zu stumpfsinnigen Quizzes und Spielen.

Die Community wächst und wächst

Deswegen das baldige Ende von Facebook vorauszusagen, wäre vermessen. Zumal die Zahlen eine klare Sprache sprechen: Facebook hat weltweit mehr als 250 Millionen registrierte Mitglieder. Über 600 Millionen US-Dollar Kapital sind in das Portal geflossen, dessen Wert heute auf 10 Milliarden geschätzt wird. In der Schweiz gibt es über 1,5 Millionen User. Tendenz steigend.

Allerdings dürften darunter jede Menge Facebook-Zombies sein, User, die sich einmal eingeloggt, aber danach kaum mehr mit dem Portal beschäftigt haben. Ähnlich wie bei der virtuellen Welt «Second Life», um die 2006 ein fast ebenso grosser Hype entstand, welche jedoch kurz darauf trotzdem in der Versenkung verschwunden ist.

Wer weiss, wann die Facebook-Blase platzt. Der Punkt der Sättigung könnte bald erreicht sein. Und die User Facebook links liegen lassen. Wie es ein Kind mit einem Spielzeug tut, mit dem es zu lange gespielt hat.


ps:
die anmeldefrist für das ferienvertretungsgeblogge hier, läuft noch bis donnerstag morgen früh. also - wer will noch mal, wer hat noch nicht?
8.9.09 00:52
 


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