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die favstar-falle oder warum wir alle unseren favstar-account löschen sollten.

ein paar wenige tweets habe ich doppelt gebracht während meiner dreijährigen twittermitgliedschaft, aber nur ein einziger, wahrscheinlich immer in leichter abwandlung, bestimmt mindestens dreimal.

"twitter wäre so viel interessanter ohne favstar."

gefaved wurde der so gut wie gar nicht, logisch: er wurde nicht verstanden. ausser von zwei, drei leuten vielleicht. mehr nicht. folgendes gibt es im netz bestimmt irgendwo ausführlicher erklärt, sonst bei rolf dobelli oder so.
vereinfacht ausgedrückt, geht es um folgendes: favstar ist ein belohnungssystem und belohnungssysteme funktionieren nicht.
warum?
weil man, durch den fokus auf das, was belohnt wird, den blick auf anhieb nebensächlich erscheinendes, in wirklichkeit aber mindestens ebenso wichtiges, wenn nicht gar wichtigeres verliert. oder auf twitter umgemünzt: man schreibt immer mehr, was auch viel besternt wird, egal welcher qualität es angehört. echte qualität wird vernachlässigt.

nun gut, mögt ihr jetzt vielleicht denken, so falsch ist das ganze ja gar nicht einmal, aber muss man deswegen gleich den account löschen? man kann favstar ja schliesslich einfach ignorieren und gut ists.
könnte man, aber wieso sollte man nicht gleich löschen, wenn man es eh nicht braucht? regelmässig ist auf twitter zu lesen, wie scheisse das programm der privaten fernsehstationen wäre, wie tief das niveau ect. die frage ist nur, woher wissen die leute das? weil sie es schauen klar. und solange es geschaut wird, so lange die quote stimmt, ist es den verantwortlichen scheissegal, was die leute davon halten.
so weit der geschlagene bogen, jetzt noch eine kurze anekdote dazu:

vor siebeneinhalb jahren habe ich das privatfernsehen vom fernseher wegprogrammiert. ich regte mich immer mehr auf über das verblödete und verblödende Programm, die unfassbar viele werbung und darüber, dass ich mich immer wieder mal dabei ertappte, wie ich beim zappen doch mal an diesm stumpfsinn hängengeblieben bin.
zu anfang war es natürlich etwas gewöhnungsbedürftig. das eine oder andere habe ich noch kurz vermisst, doch dann habe ich mich recht schnell nicht nur daran gewöhnt, anderes zu schauen, nein, ich habe viel anderes, wirklich gutes entdeckt. ich schaue nun was mir gefällt und nicht mehr das, worüber alle anderen reden. ähnlich ging es mir nämlich schon immer bei der musik oder bei kinofilmen. Was der breiten Masse gefällt, damit kann ich nur selten etwas anfangen. bei twitter ist das nun gar nicht so wahnsinnig viel anders. man darf nicht denken, dass das, was viele sterne bekommt, auch qualitativ zum besten gehört, was twitter zu bieten hat.

dieses favstar-phänomen existiert übrigens nur, und mit nur meine ich ausschliesslich in in einer kleinen ecke des deutschsprachigen raumes. in unserer ecke. dank uns können sie die preise der pro-mitgliedschaft erhöhen. dank uns können die sich eine goldene nase verdienen mit ihrem quatsch.
schaut euch mal die top-tweets internationaler promis an. ich habe mal einen tweet von amy macdonald, in dem sie kommentarlos ein bild ihres aktuellen guinness postete retweetet. zwei meiner follower haben es gafaved. mit 5 faves und 2 retweets ist der immer noch auf ihrer favstar best of-seite.
bei 75'000 follower wohlgemerkt.

favstar ist unwichtig.

aber zugegeben: favstar ist verlockend.
als ich frisch zu twitter stiess, war ich noch skeptisch, denn schon damals in den foren habe ich für die abshaffung dieser bescheurten sternchen, die lediglich anzeigten, wie viel jemand schon gepostet hat, aber dauernd als irgendwelche Statussymbole betrachtet wurden,plädiert.
ich hatte also eine einstellige followerzahl, als mich einer mit fünfhundert followern entdeckte und empfahl. einer mit 500 war für mich damals recht gross und ich war und bin ihm heute noch dafür dankbar. ich habe ihn gefragt, was es mit diesem favstar so auf sich hat und er hat mir geantwortet: "... ich schaue halt einfach gerne am ende des tages kurz rein, was den leuten gefallen hat." das leuchtete mir ein und so hielt ich es auch immer. (und so halte ich es manchmal auch heute noch - denn das geht ja auch ohne favstar.)
aber zu diesem zeitpunkt war ich bereits ohne es zu merken in die fav star-falle getappt.

flache gags und wortspiele wurden besternt wie blöd. gute sogar geretweetet. das gefällt einem natürlich schon. und dann irgendwann mal der erste fünfziger. wow. man schreibt mehr flachwitze und wortspiele, auch wenn es etwas nervt, dass ernsthafte sachen, die einem persönlich wichtig sind, etwas untergehen. sterne sind schön. der erste fünfziger. ich erinnere mich noch gut. dann irgendwann der erste hunderter. wow. das macht schon spass. irgendwann der erste pick. wieder wow! man holt sich pro, man will selber picken. denn man wird zurückgepickt. die leute bedanken sich bei dir. das ist wie eine empfehlung. man bekommt immer mehr follower. die ersten fünfhundert, sechshundert, bei sechshundertsechsundsechzig wieder eine empfehlung. "der sollte aber siebenhundertsiebenundsiebzig haben." je mehr follower man hat, desto schneller wächst die zahl. ich habe hochgerechnet, dass ich, wenn ich so weitermachen würde, zwei jahre nach anmeldung die tausend knacken würde und das mit den schlimmen replys würde anfangen, wie viele der "grossen" immer sagten. doch das war nur ein kleiner von mehreren gründen, weshalb ich beschloss, mein tweetverhalten zu ändern. ich wollte nicht mehr für sterne twittern, nicht mehr lustig sein, um zu gefallen. twittern wollte ich nur noch für mich und dabei würde es mir ein vielfaches mehr freude bereiten, wenn das dann zwischendurch auch mal jemand anderem gefällt.

(ich weiss, ihr werdet jetzt alle sagen: "das mache ich auch so.", schon klar.
also, dann löscht euch doch bei favstar. so etwas glaube ich nämlich absolut leuten wie @Einstueckkaese oder
@oOtrinityOo oder @peterbreuer. leuten, die mich mit ihren tweets erst überhaupt darauf gebracht haben, dass man via einem einfachen tweet seinen account löschen kann.



und ihr werdet jetzt sagen: "ja, die habens auch leicht, so gross wie die sind." und damit zugeben, dass ihr auch gerne gross wärt. und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. nur: das geht, wenn ihr interessante tweets schreibt, auch ohne favstar. zugegeben, einiges langsamer aber mit guten tweets werdet ihr auch so besternt und retweetet und empfohlen. und das werde ich auch gerne. ich mag, wenn man mich besternt und freue mich wie blöd, wenn ich retweetet werde. auf Empfehlungen allerdings hoffe ich, da ich dies selbst auch nicht mehr tue, natürlich nicht mehr.

soweit der einschub. zurück zur umkrempelung meines tweetverhaltens. (die favstar account-löschung war ja erst neulich) also:

ich habe von den ca. 250 leuten, denen ich folgte ca 200 von denen ich das gefühl hatte, (zurecht oder zu unrecht) das "lustige" wäre aufgesetzt oder aufmerksamkeitserhascherei, entfolgt. vor allem waren das "grosse", die praktisch alle umgehend zurückentfolgten. (einen weiteren rutsch follower verlor ich, als diese dann merkten, dass ich wesentlich weniger geblödel und immer noch gleich viel kritisches poste.) damit habe ich gerechnet, es war mir schnurz und es war ein erster schrit richtung freies drauflosposten. favstar habe ich, wie gesagt noch genutzt. so habe ich zum beispiel ab und an mal auf eine favstar-best of-seite eines profils geklickt, wenn mir etwas interessantes retweetet wurde um einen überblick zu bekommen, ob betreffender account folgenswert war.
doch dies ist der wohl weitverbreitetste trugschluss favstar betreffend überhaupt. die best of-seiten sind oft, eventuell sogar meistens überhaupt nicht repräsentativ. ich bin irgendwann dazu übergegangen zusätzlich auch noch die aktuellen tweets zu lesen, um mir ein bild machen zu können. unterdessen handhabe ich das nur noch so. ich habe mich nämlich je länger je mehr über meine best-of seite genervt. die wurde, wie man sich vorstellen kann, immer unrepräsentativer. ich habe einige 50er und 100er-tweets gelöscht, weil sie mir nicht mehr gefielen, aber tatsäch eine offenbarung war es, als ich die "...please opt-out my account..."-tweets, der bereits oben erwähnten jungs sah.

ich weiss, wie bescheuert kitschig das jetzt klingt, aber seit der löschung meines favstaraccounts, twittere ich gleich noch einen tick befreiter. wirklich.

"Cause I'm as free as a bird now,
And this bird you'll never change.
And this bird you can not change."

Lynyrd Skynyrd


abspann:

einer muss noch erwähnt werden: der 500er account, der mich damals empfohlen hat und mir, wie die anderen drei da oben, trotz dem ganzen generve, das ich immer wieder mal vom stapel lasse, immer noch folgt, war @GebbiGibson.
merci euch allen!

ja, es ist fertig. der rest liegt jetzt bei euch.



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6.1.14 10:38
 


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